Gasversorgung in Großbritannien: Was muss ich mit Wohnmobil oder Wohnwagen beachten?
Spektakuläre Küstenstraßen, historische Städte und raue Natur – Großbritannien ist ein Traumziel für Camper. Damit die Reise reibungslos verläuft, ist links fahren und eine sichere Gasversorgung entscheidend.
Wer mit Wohnmobil oder Wohnwagen nach Großbritannien reist, sollte sich vorab über die Besonderheiten der Gasversorgung informieren. Anschlüsse, Gasflaschen-Systeme und rechtliche Vorschriften unterscheiden sich teils deutlich von Deutschland. Mit der richtigen Vorbereitung vermeiden Sie Versorgungslücken und reisen entspannt – ob für ein Wochenende in England oder eine mehrwöchige Tour durch Schottland und Wales.
Vorschriften und Sicherheit bei Flüssiggas in Großbritannien
In Großbritannien gilt für den Einbau und Betrieb von Flüssiggasanlagen in Wohnmobilen und Wohnwagen die Norm BS EN 1949. Sie legt unter anderem fest, dass der Standardversorgungsdruck seit 2003 bei 30 mbar liegt – identisch zur europäischen EN 1949. Ältere Anlagen mit 50 mbar dürfen weiter genutzt werden, sofern sie technisch einwandfrei sind.
Arbeiten an der Gasanlage dürfen nur von bei Gas Safe registrierten Fachbetrieben durchgeführt werden, die eine spezielle LPG-Zulassung für Freizeitfahrzeuge besitzen. Gas Safe ist die einzige offizielle Gasregistrierungsstelle von Gasunternehmen und Ingenieuren im Vereinigten Königreich, auf der Isle of Man, auf Jersey und auf Guernsey. Laut Gesetz müssen alle Gasunternehmen im Gas Safe Register eingetragen sein.
Die Überprüfung der Gasinstallation oder Gas-Sicherheitsüberprüfung wird von einem zertifizierten Gas Safe Registered Engineer durchgeführt. Wer unterwegs eine Reparatur oder Änderung vornehmen lassen muss, sollte gezielt nach solchen Betrieben suchen.
Vorschriften und Sicherheit bei der Einreise
Bei der Einreise über Fähre oder Eurotunnel gelten besondere Sicherheitsvorschriften:
- Alle Gasbehälter müssen vor der Überfahrt vollständig abgesperrt sein.
- Viele Fährgesellschaften verlangen eine Kontrolle der Gasanlage und geben Mengenlimits beim Gasvorrat vor (z. B. max. 47 kg Gas gesamt).
- Im Eurotunnel dürfen fest installierte Tanks maximal zu 80 % gefüllt sein; der Füllstand muss über Anzeige oder Sichtfenster überprüfbar sein. Für lose Gasflaschen gilt ebenfalls eine Gewichtsbeschränkung von 47 kg, bei mehreren Gasflaschen von insgesamt 50 kg. Manche Fährlinien verlangen zusätzlich verplombte Ventile bei Reserveflaschen.
Es empfiehlt sich, die genauen Regeln der gewählten Reederei oder des Tunnelbetreibers vor der Reise zu prüfen und zusätzliche Zeit für die Sicherheitskontrollen einzuplanen.

Beim Übersetzen nach Großbritannien mit der Fähre gibt es ein paar Punkte für Camper in Bezug auf die Flüssiggasanlage zu beachten.
Bild von Ken McMillan auf Pixabay
Gasarten und Flaschensysteme in Großbritannien
In Großbritannien sind vor allem Propan und Butan im Einsatz. Propan eignet sich für den ganzjährigen Betrieb, da es auch bei Minustemperaturen verdampft. Butan ist günstiger, verliert jedoch unter 0 °C seine Gasförmigkeit, gas heißt: es findet keine Verdampfung statt, und ist daher nur für wärmere Jahreszeiten geeignet.
Die gängigsten Anbieter sind Calor Gas, Flogas und Campingaz. Calor und Flogas bieten ein Tauschsystem mit Mietflaschen, bei dem Sie eine Kaution (Deposit) und die erste Füllung bezahlen. Campingaz-Flaschen sind europaweit erhältlich, jedoch deutlich teurer und kleiner, weshalb sie eher als Notlösung dienen.
Wichtig: Deutsche Gasflaschen können in Großbritannien weder getauscht noch legal befüllt werden. Wer länger unterwegs ist, sollte daher vor Ort eine britische Flasche mieten oder ein nachfüllbares System nutzen. Die Flaschengrößen variieren – 13-kg-Propanflaschen sind weit verbreitet und passen meist in die Gasfächer deutscher Fahrzeuge, dennoch empfiehlt sich ein Größen- und Gewichtscheck vorab.

Wer sich in Großbritannien eine Gasflasche leihen oder kaufen möchte, hat die Wahl zwischen unterschiedlichen Herstellern und Flaschengrößen – hier exemplarisch dargestellt.
Bild generiert mit Hilfe von DALL·E / ChatGPT von OpenAI.
Anschlüsse, Regler und Adapter für Wohnmobil und Wohnwagen
Britische Gasflaschen haben je nach Gasart unterschiedliche Anschlüsse:
- Propan: British POL-Schraubanschluss (Linksgewinde, SW 30, G.7)
- Butan: Clip-on-Anschlüsse in 20 mm, 21 mm, 22 mm, 27 mm oder 35 mm, EU-Shell
- Butan, Campingaz (GAZ): Spezieller Gewindeanschluss (G.3)
- Weitere verwendete Anschlüsse: US-POL, ACME, Primus
Für den Betrieb deutscher Gasanlagen ist ein passender Adapter/Verbindungsstück oder eine Schlauchleitung (Pigtail) mit UK-Anschluss (Brit. POL) erforderlich. Adaptersets wie das GOK Euro-Set enthalten gängige Anschlüsse für Europa.
Praktischer Tipp: Adapter am besten vor der Reise im Fachhandel besorgen. Vor Ort kann die Suche zeitaufwendig sein und nicht jeder Händler führt alle Varianten. Achten Sie darauf, den richtigen Adapter für Ihre Gasflasche/n (Gasart) zu wählen, um Undichtigkeiten und Fehlanschlüsse zu vermeiden.
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Versorgungsoptionen für unterwegs
- Eigenes Gas mitnehmen: Für kürzere Reisen ist das oft die einfachste Lösung. Zwei 11-kg-Flaschen reichen im Sommer bei sparsamer Nutzung oft für mehrere Wochen. Wer viel mit Landstrom arbeitet, kann den Gasverbrauch zusätzlich reduzieren, etwa durch den Einsatz elektrischer Kochplatten, Wasserkocher oder Heizlüfter. So lässt sich auch bei längeren Touren oft ein Nachkauf vermeiden. Achten Sie jedoch auf die Vorschriften der Fährgesellschaften: Manche setzen Maximalmengen fest oder verlangen Sicherheitsvorkehrungen wie verplombte Ventile.
- Britische Gasflasche leihen: Bei längeren Aufenthalten lohnt sich die Anschaffung einer lokalen Flasche (z. B. Calor oder Flogas). Dabei ist eine Kaution (Pfand) fällig, die nur bei Rückgabe im selben System erstattet wird. Prüfen Sie vorab, ob am Zielort ein Händler verfügbar ist, und klären Sie, ob Reservierungen möglich sind. Beachten Sie, dass es in den vergangenen Jahren zeitweise Engpässe bei der Verfügbarkeit gab, sodass eine gewisse Flexibilität bei der Flaschengröße oder dem Anbieter hilfreich sein kann. Planen Sie etwas Zeit für die Beschaffung ein und messen Sie vorab, ob die Örtliche Flasche in Ihr Gasfach passt.
- Nachfüllbare Tanks oder Gasflaschen: Bieten Flexibilität und Unabhängigkeit, erfordern aber passende Fülladapter und eine gute Planung, da das LPG-Netz in UK rückläufig ist (dazu weiter unten noch mehr). Wer mit fest verbauten Tanks reist, sollte seine Route so planen, dass verbleibende LPG-Zapfstellen angefahren werden können. Besonders in dünn besiedelten Regionen wie den schottischen Highlands ist vorausschauendes Tanken wichtig, um nicht in Versorgungsengpässe zu geraten. Eine aktuelle Übersicht bietet z. B. die Plattform myLPG.eu.
Befüllen und Autogas-Versorgung auf der Insel
In Großbritannien nutzen LPG-Tankstellen überwiegend das Bayonet-Kupplungssystem. Fahrzeuge mit deutschem ACME- oder Dish-Füllstutzen benötigen daher einen passenden Adapter. Empfehlenswert ist ein komplettes Europa-Adapterset, um in allen Ländern flexibel zu bleiben.
Nur fest eingebaute Gastanks oder zertifizierte nachfüllbare Gasflaschen mit automatischer 80-%-Füllstoppfunktion dürfen an Autogas-Zapfsäulen befüllt werden. Miet- oder Tauschflaschen – auch deutsche – sind vom Selbstbefüllen ausgeschlossen. Dies wird an den meisten Stationen streng kontrolliert.
Das LPG-Versorgungsnetz in UK ist in den letzten Jahren kleiner geworden, da viele große Tankstellenketten Autogas zurückgebaut haben. Dennoch gibt es weiterhin mehrere Hundert LPG-Stationen, häufig bei Supermarktketten wie Morrisons oder an Flogas-Depots. In Schottland sind die Abstände zwischen den Stationen größer, was eine sorgfältige Planung erfordert.
Praxistipp: Nutzen Sie Apps und Websites wie myLPG.eu oder GasBuddy, um Tankmöglichkeiten vor der Reise und unterwegs zu identifizieren. Planen Sie stets einen Sicherheitspuffer ein und füllen Sie frühzeitig nach, insbesondere in ländlichen Regionen oder vor Wochenenden und Feiertagen.

Auch wenn es in den vergangenen Jahren etwas weniger Zapfsäulen für Autogas LPG in Großbritannien geworden sind, ist das Netz nach wie vor gut ausgebaut.
Bild generiert mit Hilfe von DALL·E / ChatGPT von OpenAI.
Praktische Tipps aus Erfahrung und Foren
- Strom gezielt nutzen: Die meisten Campingplätze in UK verfügen über Landstromanschlüsse. Nutzen Sie elektrische Geräte wie Kochplatten, Wasserkocher oder Heizlüfter, um Gas zu sparen.
- Gasverbrauch kalkulieren: Planen Sie Ihren Verbrauch je nach Reisezeit. Im Sommer ist der Bedarf meist gering, im Winter oder bei längeren Standzeiten höher.
- Backup-Systeme bereithalten: Eine kleine Campingaz-Flasche oder ein zweiter Adapter kann im Notfall sehr hilfreich sein.
- Platz- und Gewichtsplanung: Britische Flaschen können größer oder schwerer sein als deutsche. Prüfen Sie Maße und Zuladung vorab.
- Netzwerk nutzen: In Foren oder auf Campingplätzen erhalten Sie oft aktuelle Tipps zur Gasversorgung, Engpässen und Bezugsquellen vor Ort.
Fazit: Gut vorbereitet nach Großbritannien reisen
Mit der richtigen Vorbereitung, den passenden Adaptern und einem klaren Plan für den Gasnachschub ist die Gasversorgung in Großbritannien problemlos zu meistern. Wer die Vorschriften kennt, seine Reise entsprechend plant und flexibel bleibt, kann entspannt kochen, heizen und kühlen – egal ob in England, Schottland, Wales oder Nordirland.
FAQ – Häufig gestellte Fragen Camping in Großbritannien
Kann ich meine deutsche Gasflasche in Großbritannien tauschen oder befüllen?
Nein, das ist nicht möglich.
Welchen Adapter brauche ich?
British POL-Anschluss für Propan, Clip-on für Butan, spezieller Regler für Campingaz.
Wie viele Flaschen darf ich auf der Fähre mitnehmen?
Es gibt keine durchgängige Begrenzung bei der Anzahl. Allerdings darf das Gesamtgewicht aller Flaschen nicht mehr als 47 kg sein.
Propan oder Butan beim Camping in Großbritannien?
Propan oder Propan/Butan-Gemisch ist ganzjährig geeignet, Butan nur bei Temperaturen über 0 °C.
Gibt es noch Autogas-Zapfsäulen in Großbritannien?
Ja, aber das Netz ist in den vergangenen Jahren geschrumpft. Frühzeitig planen und Routen anpassen, aber keine Panik: Nach wie vor gibt es mehr als genug Tankstellen!
Brauche ich in Großbritannien einen speziellen Gasdruckregler?
Nein, wenn Ihre Anlage auf 30 mbar ausgelegt ist, entspricht das dem britischen Standard. Prüfen Sie dennoch, ob Ihr Regler mit dem passenden Adapter oder Adapter-Schlauchleitung (Pigtail) genutzt werden kann.
Kann ich Gas während der Fahrt in Großbritannien nutzen?
Ja, aber nur mit einer zugelassenen Crash-Sensor-Anlage und ggf. einer Schlauchbruchsicherung. Ohne diese Sicherheitseinrichtungen muss die Gaszufuhr während der Fahrt abgeschaltet werden. Mehr Infos dazu hier: https://www.gok.de/Fluessiggasanlagen-Freizeit/Gasversorgung-waehrend-der-Fahrt/.
Welche Vorschriften gelten für Gas im Eurotunnel?
Max. 80 % Füllstand bei fest eingebauten Tanks, nachweisbar durch Anzeige oder Sichtfenster. Lose Flaschen sind auf ein Gesamtgewicht von 47 kg begrenzt.





