Was ist beim Betrieb von Gas-Heizpilz, Gas-Heizstrahler, Gas-Terrassenstrahler privat und im Gewerbe/Gastronomie zu beachten?

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Wenn die Abende kühler werden, kommen auf Balkon und Terrasse beziehungsweise im Außenbereich der Gastronomie häufig mit Gas betriebene Heizgeräte zum Einsatz. Die Namen der Heizgeräte sind unterschiedlich – Heizpilz, Heizstrahler, Terrassenstrahler -, aber alle eint, dass Betreiber Gasflasche, Druckminderer, Schlauch(-bruchsicherung) und Gas-Kippschutzventil benötigen. Zudem existieren Vorgaben zum sicheren Umgang mit den Heizgeräten – übrigens sowohl für den Privatmann als auch bei Benutzung in Restaurants, Kneipen oder Bars.

Die Gastronomie ist mit am schwersten durch das weltweit grassierende Coronavirus (COVID-19) gebeutelt. Um der Gastro auch im kühleren Herbst die Bewirtung von Gästen in den Außenbereichen zu ermöglichen – und so dringend notwendige Einnahmen zu sichern -, diskutieren Verbände und Politik (Stand: 10. September 2020) über den verstärkten Einsatz von gasbetriebenen Heizgeräten, wie zum Beispiel Heizpilze.

Zwar ist der Einsatz dieser Gasheizgeräte in so mancher Stadt nicht erlaubt, für diesen speziellen Fall soll es jedoch Ausnahmeregelungen geben, um den Gastwirten unter die Arme zu greifen.

Egal ob diese Verbote nun aufgehoben werden oder nicht, und ob die Geräte privat oder gewerblich verwendet werden, es gibt so oder so Regelungen, die im Umgang mit Heizpilz und Co. zu beachten sind.

Gewerbe

Wer den Heizpilz, Heizstrahler oder Terrassenstrahler gewerblich verwendet, für den ist die Vorschrift 79 der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV V 79; ehemals BGV D 34) besonders relevant.

Zum gewerblichen Bereich zählen insbesondere Restaurants, Bars, Kneipen, aber auch zum Beispiel Imbissbuden auf Jahr- und Weihnachtsmärkten und öffentliche Vereinsfeiern. Im Folgenden gehen wir auf die wichtigsten Punkte ein, wenn Gewerbetreibende ein Gasheizgerät einsetzen möchten.

Um Gästen den Verbleib im Außenbereich der Gastronomie länger zu ermöglichen, setzen Betreiber gerne mit Flüssiggas betriebene Heizpilze ein. Aufgrund der Einbußen aufgrund des Coronavirus könnte das nun wieder vorübergehend landesweit erlaubt werden.
Gewerbe Aufstellungsort

So ein Gasheizgerät darf nicht überall stehen. Wie die Bedinungen für den Aufstellungsort der Anlage auszusehen haben, das definiert die Arbeits-Sicherheits-Information 8.04 der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe. Hier der entsprechende Auszug:

„Terrassenheizstrahler und Gasfackeln dürfen nur im Freien oder in gut belüfteten Räumen bzw. Zelten betrieben werden. Gut belüftete Räume sind Räume, wenn mindestens 25% der Umschließungsfläche offen sind, wobei die Umschließungsfläche die Summe aller Wandflächen ist. Der Betrieb in einem geschlossenen Raum ist verboten.“

Gewerbe – Erlaubt oder verboten?

Wenn Sie als Gastronom einen Außenbereich haben, den Sie per Heizpilz mit wohliger Wärme versorgen wollen, sollten Sie sich vorab im Internet oder direkt bei Ihrer zuständigen Stadt bzw. Gemeinde schlau machen, ob Sie das überhaupt dürfen.

In manchen Gemeinden ist es verboten, in einigen erlaubt. Welchen Einfluss die ökonomischen Auswirkungen durch das Coronavirus auf ein mögliches Kippen der Verbote haben, ist derzeit noch nicht abzusehen.

Gewerbe – Welche Anlagenkomponenten?

Neben der Propangasflasche brauchen Betreiber auf jeden Fall folgende Komponenten für den sicheren und ordnungsgemäßen Betrieb von Heizpilz, Heizstrahler oder Terrassenstrahler:

Gewerbe – Schlauchbruchsicherung

Die DGUV V79 schreibt eine Schlauchbruchsicherung unter bestimmten Umständen vor. Sollte der eingesetzte Gasschlauch länger als 40 Zentimeter sein, ist die Schlauchbruchsicherung Pflicht.

Gewerbe – Gas-Kippschutzventil

Das Gas-Kippschutzventil schützt Gäste, Angestellte und Gastronomen zugleich, wenn jemand den Heizpilz beispielsweise mal versehentlich umstößt. Es unterbricht sofort den Gasdurchfluss, sollte ein gewisser Neigungswinkel überschritten werden.

Nominell ist die Sicherheitskomponente in allen Geräten Pflicht, die nach DIN EN 14543 hergestellt wurden. Dazu zählen insbesondere Heizpilze, Heizstrahler etc. Haben Sie bereits ein entsprechendes Gerät, schauen Sie bitte mal nach, ob das Gas-Kippschutzventil werksseitig dabei war, ansonsten bitte nachrüsten.

Bei Neugeräten sollte es an sich an Bord sein. Ein Blick vor dem Kauf ins Innenleben schadet jedoch so oder so nicht.

Gewerbe – Austauschfristen

Komponenten wir Druckminderer, Gasschlauch etc. muss der Betreiber spätestens nach acht Jahren austauschen. Das schreibt die DGUV V79 vor. Wichtig: Nicht das Einbaudatum zählt, sondern das Jahr, in dem die Armatur hergestellt wurde.

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Privat – Erlaubt oder verboten?

Wer beispielsweise seine Grillparty in die späteren Abendstunden verlängern möchte, auch wenn es mal etwas kühler ist, hat vermutlich ein gasbetriebenes Heizgerät auf Balkon oder Terrasse. Aber: Sind diese überhaupt noch erlaubt?

Klare Sache: Ja, der Einsatz mit Flüssiggas betriebener Heizpilze, Heizstrahler oder Terrassenstrahler ist für Privatleute erlaubt. Aber auch hier gelten gewisse „Spielregeln“ für den sicheren Gebrauch, die das Arbeitsblatt G 612 des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) festlegt.

Privat – Aufstellungsort

Es versteht sich von selbst, dass Heizpilze, Terrassenstrahler und Co. nur für den Einsatz im Freien erlaubt sind. Das geben die Hersteller auch so in der mitgelieferten Montage- und Bedienungsanleitung explizit an.

Wer den Abend im Garten trotz kühlerer Temperaturen etwas verlängern möchte, setzt häufig auf einen mit Flüssiggas betriebenen Heizpilz oder Terrassenstrahler. Im Privaten ist das erlaubt, allerdings sollten Betreiber gewisse Dinge beachten.
Privat – Welche Anlagenkomponenten?

Klar: Ohne Flüssiggasflasche geht nichts; meistens entweder eine Gasflasche mit einem Füllgewicht von 5 oder 11 Kilogramm. Darüber hinaus brauchen Sie folgende Anlagenkomponenten unbedingt:

Wichtig: Die geltenden Regularien fordern nominell keine Sicherheitseinrichtung beim Druckminderer. Wir haben dazu eine Empfehlung:

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Privat – Schlauchbruchsicherung

Die Schlauchbruchsicherung schützt, wenn der Gasschlauch beispielsweise ein größeres Leck hat oder infolge eines Unfalls durchtrennt wird. Das erkennt die Schlauchbruchsicherung und sperrt der Gasdurchfluss komplett ab. So kann kein unverbranntes Flüssiggas austreten und zur Gefahr werden.

Sollte beim privaten Einsatz der Gasschlauch länger als 150 Zentimeter sein, ist die Schlauchbruchsicherung gemäß Arbeitsblatt G 612 des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) vorgeschrieben.

GOK empfiehlt den Einsatz auch bei kürzeren Längen, denn: Betreiber können den Gasschlauch – zum Beispiel beim Heizpilz – gar nicht dauerhaft im Blick haben, da er im Inneren des Geräts ist.

Privat – Gas-Kippschutzventil

In diesem Punkt gleichen sich privater und gewerblicher Bereich. Das Gas-Kippschutzventil ist auch im Privaten Pflicht, es sei denn, der Betreiber kann gewährleisten, dass Heizpilz und Co. auf gar keinen Fall umkippen können.

Wer nun ein erwähntes Heizgerät neu kauft, hat in aller Regel ein entsprechendes Ventil bereits ab Werk verbaut. Wer ein Gerät schon im Einsatz hat, sollte sicherheitshalber mal das „Innenleben“ checken. Ist kein Gas-Kippschutzventil verbaut, können es Betreiber ganz simpel nachrüsten. Es wird nämlich einfach nur zwischen Druckminderer und Gasschlauch geschraubt.

Privat – Austauschfristen

Die Austauschfristen im Privatbereich schreibt das Arbeitsblatt G 612 des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) vor. Spätestens nach zehn Jahren müssen Druckminderer, Gasschlauch etc. gewechselt werden.

Ausschlaggebend bei Beginn der Frist ist immer das Jahr der Herstellung der Komponente und nicht das Einbaudatum. Hier finden Sie mehr Infos dazu:

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