Sollte ich beim Grenzwertgeber von Loch- auf Schlitzausführung umsteigen?

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Nach wie vor existieren in Heizöltanks Grenzwertgeber in zwei Ausführungen: die allermeisten haben einen Schlitz in der Hülse; das ist der aktuelle Stand der Technik. Es sind aber auch noch veraltete Grenzwertgeber mit der sogenannten Lochhülse  in den Heizöltanks eingebaut. Ob ein Tausch hin zur Schlitzausführung der Hülse bzw. Sensorhaube Sinn macht, klären wir in diesem Beitrag.

Welche grundsätzliche Funktion der Grenzwertgeber in Heizölanlagen hat und was es sonst noch zu dieser Sicherheitseinrichtung zu wissen gibt, haben wir bereits in weiteren Artikeln aufgezeigt: https://www.gok-blog.de/tag/grenzwertgeber/.

In kurzen Worten nochmals die Funktion: Der Grenzwertgeber verhindert einen Schaden durch Überfüllen, wenn der Tankwagenfahrer, das Heizöl in den Tank pumpen lässt und beispielsweise den Freiraum im Tank nicht richtig ermittelt hat.

Bedeutung des Grenzwertgebers
Grenzwertgeber mit Schlitzausführung
Grenzwertgeber mit Schlitzausführung

Sobald Heizöl mit dem Sensor  am Grenzwertgeber in Kontakt kommt, ändert sich der elektrische Widerstand und schaltet die Pumpe am Tankwagenfahrzeug ab. So verhindert die Armatur, dass Öl aus dem Tank austritt und Schäden an der Umwelt auftreten.

Daher gilt: Die ordnungsgemäße Funktion des Grenzwertgebers ist von enormer Wichtigkeit für die gesamte Anlage und darüber hinaus für Haus und Umwelt. An dieser Stelle dann auch der Brückenschlag zur Thematik der Loch- und Schlitzhülse.

Gefahr durch „Verpilzung“

Die Lochhülse war bis in die Achtzigerjahre der Standard. Allerdings hat man nach und nach festgestellt, dass so mancher Grenzwertgeber nicht funktionierte, wie er sollte. Das wiederum lag an der sogenannten „Verpilzung“.

Bei der Befüllung des Tanks werden Sedimente vom Tankboden aufgewirbelt. Wenn dann der Grenzwertgeber die Befüllung stoppen muss, gelangt Öl inklusive der Ablagerungen an die Hülse des Grenzwertgebers. Hat diese nur zwei Löcher für den Zugang zum Sensor kann es durchaus passieren, dass sich diese Löcher zusetzen („verpilzen“).

So kann ein Grenzwertgeber mit Lochhülse im ungünstigsten Fall auch aussehen. Die Löcher haben sich im Laufe der Zeit komplett zugesetzt und das Risiko der Überfüllung ist deutlich erhöht.
So kann ein Grenzwertgeber mit Lochhülse im ungünstigsten Fall auch aussehen. Die Löcher haben sich im Laufe der Zeit komplett zugesetzt und das Risiko der Überfüllung ist deutlich erhöht.
Folgen

Kann dann beim nächsten Befüllvorgang kein Heizöl mehr an den Sensor kommen, droht der Worst Case: die Überfüllung des Heizöltanks, wenn der Tankwagenfahrer nicht rechtzeitig abschaltet beziehungsweise  zu viel Heizöl für die Abfüllung eingeplant hat. Denn: Der Grenzwertgeber kann nicht mehr reagieren und das trotz erfolgreicher Funktionsprüfung vor der Befüllung. Eine solche „Verpilzung“ bzw. Verklebung kann bei Grenzwertgebern mit dem Schlitz in der Hülse  aufgrund seiner Bauform nicht vorkommen.

Sollte der Grenzwertgeber nicht voll funktionsfähig sein, kann das gravierende Folgen bei der Befüllung durch den Mineralölhändler haben.
Sollte der Grenzwertgeber nicht voll funktionsfähig sein, kann das gravierende Folgen bei der Befüllung durch den Mineralölhändler haben.
Bildrechte: © IWO
Empfehlung GOK

Um nun auf die ursprüngliche Fragestellung zurückzukommen: Wir von GOK empfehlen dringend, alte Grenzwertgeber mit Löchern in der Hülse gegen solche mit Schlitz auszutauschen beziehungsweise austauschen zu lassen. Das Sicherheitsrisiko, das die mit Loch ausgeführten Grenzwertgeber verursachen, ist schlichtweg zu hoch. Die Empfehlung teilt übrigens auch das IWO.

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Leider drücken sich die Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) und deren technische Konkretisierung, die Technischen Regeln für wassergefährdende Stoffe (TRwS) 791-1 und 791-2 nicht ganz so klar aus. Sinngemäß interpretiert, hat der Betreiber zwar grundsätzlich dafür zu sorgen, dass die Anlage dem neusten Stand der Technik entspricht und daher abgesichert ist.

In den TRwS steht die Maßgabe, dass Heizölanlagen generell dem aktuellen technischen Stand entsprechen sollen. Ein Grenzwertgeber mit Lochhülse erfüllt dieses Kriterium unserer Meinung nach nicht.
In den TRwS steht die Maßgabe, dass Heizölanlagen generell dem aktuellen technischen Stand entsprechen sollen. Ein Grenzwertgeber mit Lochhülse erfüllt dieses Kriterium unserer Meinung nach nicht.
Sicherheitsrisiko Lochhülse

Aber erlaubt ist der Grenzwertgeber mit Lochhülse auch weiterhin, obwohl er aus unserer Sicht ganz klar ein einfach zu vermeidendes Sicherheitsrisiko darstellt. Und darüber hinaus dem Betreiber auch noch mehr Arbeit und Kosten jährlich abverlangt. Denn wer auch weiterhin einen Grenzwertgeber mit Lochhülse im Tank behalten will, muss mindestens einmal jährlich einen Fachbetrieb beauftragen.

Dieser kontrolliert per Auge, ob sich die Löcher bereits zugesetzt haben oder noch frei sind und muss dies auch noch dokumentieren. Sind Löcher nicht „frei“, muss der Fachbetrieb die Lochhülse reinigen. Die Gefahr einer Beschädigung des Sensors (PTC/Kaltleiter) ist real.

Weitere Informationen

Für uns stellt dies eine unnötige Praxis dar, die den Betreiber zusätzlich belastet und das Sicherheitsniveau der Anlage herabsetzt. Deshalb legen wir jedem Betreiber einer Heizölanlage den Umstieg auf einen Grenzwertgeber mit Schlitzhülse ans Herz.

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Weitere Informationen zu dem Thema finden Sie in der TRwS 791-2 unter den Punkten 8.1 und 9.1 sowie in der ÜWG-Fachinfo 6 unter 7.2.2.4 und 7.2.2.5. Letztgenannte fordert im Übrigen den Tausch von Grenzwertgebern mit Lochhülse hin zu solchen mit Schlitz.