Ist die Gasprüfung alle zwei Jahre bei Wohnmobil und Wohnwagen Pflicht?

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Die Gasprüfung speziell für Halter von Wohnmobilen schlägt derzeit besonders hohe Wellen. Grund dafür ist eine neue Richtlinie für die Hauptuntersuchung (HU) von Campingfahrzeugen, herausgegeben vom Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur (BMVI). Braucht es nunmehr überhaupt keine Prüfung mehr für die Gasanlage des Wohnmobils? Und wie sieht es überhaupt beim Wohnwagen aus? GOK schafft mit diesem Beitrag Klarheit.

So war´s bei Wohnmobilen…

Für Wohnmobile war seit jeher klar geregelt: Kann der Halter bei der HU keine aktuelle Prüfbescheinigung über die Gasanlage nachweisen, quittieren das TÜV und DEKRA mit einem erheblichen Mangel. Das heißt für den Camper: Gasprüfung und HU nochmals machen.

So ist es jetzt bei Wohnmobilen!

Das BMVI hat die grundsätzliche Mangelbewertung nun überarbeitet. Demnach gilt der fehlende Nachweis über die Gasprüfung nicht mehr als erheblicher Mangel. TÜV und DEKRA dürfen nun also theoretisch eine neue Plakette bei der HU des Wohnmobils vergeben. Und das auch selbst wenn der Halter seit Jahren keine Gasprüfung hat durchführen lassen und – im schlimmsten Fall – die Gasanlage nicht mehr sicher ist. Wie erwähnt: So zumindest die Theorie.

Als Begründung für diesen Schwenk bei der Mangelbewertung führt das BMVI an, dass die bislang bei der Gasprüfung verwendeten Messgeräte nicht den Anforderungen der HU-Richtlinie entsprechen. Bis 2023 will man die Anforderungen an die verwendeten Messgeräte und Prüfer näher beschrieben haben. Bis dahin ist es nominell so, dass die erfolgreich bestandene HU des Wohnmobils losgelöst ist vom Nachweis der sicheren Gasanlage des Sachkundigen nach G 607.

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Bislang war er bei Wohnmobilen so: Wer keine gültige Gasprüfung nach G 607 bei der HU nachweisen konnte, erhielt auch keine Prüfplakette. Das hat sich nun geändert – vorerst bis 2023.
Dokumentationspflicht

Das heißt aber wiederum nicht, dass die Gasanlage bei der HU komplett außen vor ist. Hat die Gasanlage einen Mangel, hält das der HU-Prüfer auch definitiv fest. Sobald der Mangel schwarz auf weiß steht und der Camper das ignoriert, wackelt der Versicherungsschutz bedenklich.

Speziell bei solchen Temperaturen sollten Camper in Bezug auf die Funktionstüchtigkeit der Gasanlage auf der sicheren Seite sein. Deshalb empfiehlt GOK auch weiterhin die zweijährige Gasprüfung nach G 607.
Speziell bei solchen Temperaturen sollten Camper in Bezug auf die Funktionstüchtigkeit der Gasanlage auf der sicheren Seite sein. Deshalb empfiehlt GOK auch weiterhin die zweijährige Gasprüfung nach G 607.
Riskantes Spiel

Und apropos Versicherungsschutz! Selbst wenn die erfolgreiche HU nun losgelöst ist vom Nachweis der erfolgreichen G 607-Prüfung, fordert eben jenes Arbeitsblatt G 607 nach wie vor die Gasprüfung nach spätestens zwei Jahren. Und das ist übrigens auch die Maßgabe für Versicherungen.

Das heißt: Das erfolgreiche Bestehen der G 607-Prüfung ist immer noch enorm wichtig für die Gültigkeit des Versicherungsschutzes. Etwas deutlicher formuliert heißt das für den Camper: Verzichten Sie in Zukunft auf die turnusmäßig fällige Gasprüfung, riskieren Sie Ihren Versicherungsschutz.

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Update 14. August 2020

Seit einiger Zeit hat der TÜV SÜD ein klares Statement auf seiner Website in den FAQs veröffentlicht (Bitte zum Fragenblock „FRAGEN ZUR HAUPTUNTERSUCHUNG VON WOHNMOBIL, WOHNWAGEN UND ANHÄNGER“ scrollen): https://www.tuvsud.com/de-de/branchen/mobilitaet-und-automotive/hauptuntersuchung/faq-zur-hauptuntersuchung.

Eine wichtige Zeile als Auszug im Wortlaut: „Zum Zeitpunkt der HU muss eine noch gültige Gasprüfung vorliegen, bzw. kann die Gasprüfung zusammen mit der HU von TÜV SÜD durchgeführt werden.“

Das heißt: Im Gegensatz zur eingangs beschriebenen Theorie gemäß Vorgaben des BMVI, handhabt es der TÜV SÜD in der Praxis anders und vergibt nur eine gültige HU-Plakette, wenn der Halter die erfolgreich bestandene Gasprüfung nachweisen kann.

Wie ist´s beim Wohnwagen?

Blicken wir auf die Gasprüfung beim Wohnwagen. Bei den Anhängern war es seit jeher so, dass eine nicht durchgeführte oder nicht bestandene Gasprüfung als „geringer Mangel“ galt. Die Prüfplakette gab es also auch, selbst wenn die Gasanlage über Jahre hinweg kein Sachkundiger zu Gesicht bekommen hat.

Mal abgesehen davon, dass GOK diese Praxis bei weitem nicht unterstützt und für risikoreich hält, fährt das Gros der Camper ihren Wohnwagen dennoch regelmäßig zur Gasprüfung. Warum? Zunächst einmal denken wir, dass viele Camper gesunden Menschenverstand walten lassen und schlichtweg eine Risikoabwägung machen.

Keine Gasprüfung bedeutet: Potenziell unerkannte Gefahren bei der Nutzung der Gasanlage. Für einen überschaubaren finanziellen Aufwand gibt es dank G 607-Sachkundigem Sicherheit und Gewissheit.

Bei Wohnwägen sind HU und Gasprüfung von jeher unabhängig voneinander. Nichtsdestotrotz fährt der Großteil der Camper ihren Wohnwagen zur Gasprüfung – aus guten Gründen.
Update 14. August 2020

Aus einer Stellungnahme des TÜV SÜD an das renommierte Magazin Camping, Cars & Caravans geht klar hervor, dass auch beim Wohnwagen die Gasprüfung Pflicht ist. Ein entscheidender Auszug im Wortlaut: „Der Halter wird deshalb darüber informiert, dass ohne Prüfung der Gasanlage der Heizung keine HU durchgeführt wird.“

Detaillierte Infos dazu finden Sie auf der Website des Magazins Camping, Cars & Caravans: https://www.camping-cars-caravans.de/news-termine/news/neues-bei-der-gaspruefung/

Drei Gründe für die Gasprüfung

Wem die verbriefte Sicherheit für sich, seine Lieben und Mitmenschen nicht Motiv genug ist, den dürfte das Argument mit dem fehlenden Versicherungsschutz überzeugt haben. Wie auch künftig beim Wohnmobil ist es schon immer beim Wohnwagen so: Wer ohne gültigen Nachweis über den ordnungsgemäßen Zustand der Gasanlage fährt, riskiert den Versicherungsschutz des Fahrzeugs.

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Zudem kann es Campern passieren, dass sie ohne gültigen Nachweis der Gasprüfung gar nicht auf den bevorzugten Campingplatz dürfen. Mittlerweile achten einige Stellplatzbetreiber verstärkt auf die Prüfbescheinigung. Sie machen es zur Bedingung, um überhaupt die Schranke zum Campingplatz passieren zu dürfen – egal ob mit Wohnmobil oder Wohnwagen.

Bei vielen Campingplätzen ist es mittlerweile Pflicht, eine gültige G 607-Gasprüfung vorzuzeigen, um Wohnmobil und Wohnwagen auf dem Gelände parken zu dürfen.
Bei vielen Campingplätzen ist es mittlerweile Pflicht, eine gültige G 607-Gasprüfung vorzuzeigen, um Wohnmobil und Wohnwagen auf dem Gelände parken zu dürfen.

Apropos, egal ob Wohnmobil oder Wohnwagen: Nach EU-Richtlinie 2014/45/EU vom 03.April 2014 ist die Überprüfung der Gasanlage vorgeschrieben und somit geforderter Bestandteil der HU. Und diese EU-Richtlinie gilt übrigens für Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeuganhägern, das heißt: Für Wohnmobil und Wohnwagen!

Einschätzung von GOK und betroffener Stellen

Das Gros der Camper ist unserer Meinung nach sehr verantwortungsbewusst und weiß, dass der Umgang mit der Energieform Flüssiggas nicht gefährlich ist, solange man gewisse Spielregeln beachtet und gesunden Menschenverstand walten lässt.

Wer sich nun über die Neuerung bei Wohnmobilen freut und  alle zwei Jahre die circa 50 Euro für die Gasprüfung spart, spart am falschen Ende. Aber auch dann denken wir nicht, dass in den kommenden Jahren eine Vielzahl von „tickenden Zeitbomben“ durch die Gegend fährt. Aber: Selbst ein Unfall aufgrund mangelnder Sorgfalt oder falsch interpretierter Sparneigung, kann vor dem Richter gravierende Folgen haben.

Eine gemeinsame Stellungnahme von CIVD, ZKF und DVFG finden Sie hier: https://www.dvfg.de/fileadmin/user_upload/downloads/technische-merkblaetter/G607-Nachweis_im_Rahmen_HU.pdf. Die unabhängige Reise- und Wohnmobil-Blog Campofant hat es unserer Meinung nach auch sehr gut und unaufgeregt zusammengefasst. Klare Leseempfehlung: https://campofant.com/gaspruefung-wohnmobil-wohnwagen/.

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